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Wer im Schwarzwald Urlaub macht und Colmar noch nicht kennt, hat etwas verpasst. Rund 60 Kilometer südwestlich von Baden-Baden, auf der anderen Seite des Rheins, liegt eine der am besten erhaltenen Altstädte Frankreichs. Farbige Fachwerkhäuser, enge Gassen, Kanäle mit kleinen Holzbooten und Blumenkästen an jedem Fenster. Das klingt nach Postkarte. Vor Ort wirkt es trotzdem echt.
Colmar ist kein Geheimtipp mehr. Aber es ist auch nicht überlaufen wie Straßburg oder Freiburg an einem Samstag im Juli. Wer unter der Woche kommt, morgens früh, hat die Gassen der Altstadt oft fast für sich allein.
Inhalt
Eindrücke aus Colmar ↓
Anfahrt nach Colmar und Parken
Von Baden-Baden sind es rund 80 Kilometer bis ins Zentrum von Colmar. Mit dem Auto über die A5 Richtung Basel, dann über die Rheinbrücke nach Frankreich auf die A35. Die Fahrt dauert knapp eine Stunde, ohne Stau an der Grenze.
Wer lieber mit dem Zug fährt: Von Baden-Baden nach Freiburg mit dem Regionalzug, dort umsteigen in die Regionalbahn nach Colmar. Gesamtfahrzeit rund eineinhalb Stunden, je nach Verbindung. Die Strecke durchs Rheintal ist schon allein die Fahrt wert.
Parken in Colmar
Der Parkplatz Scheurer-Kestner liegt nördlich der Altstadt und ist in der Regel kostenlos. Von dort sind es fünf Minuten zu Fuß bis ins Zentrum. Oft noch Plätze, auch an Wochenenden vormittags. Der Parkplatz Place de la Montagne Verte liegt ebenfalls nah an der Altstadt, ist aber teilweise kostenpflichtig.
Je voller die Stadt, desto schwieriger die Parkplatzsuche direkt am Stadtkern. Im Sommer und zur Weihnachtszeit früh kommen oder auf Park-and-Ride ausweichen.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Colmar
Colmar hat keine eine Hauptsehenswürdigkeit. Es ist die Summe aus Altstadt, Kanälen, Museen und Plätzen, die den Besuch ausmacht. Wer nur einen halben Tag hat, geht durch Klein Venedig und schaut ins Unterlinden-Museum. Wer mehr Zeit hat, entdeckt die Stadt Stück für Stück.
Klein Venedig und die Altstadt
Klein Venedig, auf Französisch Petite Venise, ist das bekannteste Viertel von Colmar. Der Name kommt von den Kanälen des Flusses Lauch, der das Viertel durchzieht, und den Häusern die direkt am Wasser stehen. Rote, grüne und gelbe Fachwerkhäuser, Blumenkästen an den Fenstern, kleine Brücken über das Wasser.
Der beste Blick auf das Viertel ist von der Petersbrücke aus. Morgens, wenn noch wenig los ist, spiegeln sich die Häuser im Wasser. Das ist der Moment für Fotos, nicht mittags wenn es voll wird.
Wer Lust hat, kann eine Bootsfahrt auf der Lauch machen. Preis liegt bei rund 6 Euro pro Person, dauert etwa 30 Minuten. Im Winter finden keine Fahrten statt.
Das Musée Unterlinden
Das bedeutendste Museum von Colmar, untergebracht im ehemaligen Dominikanerinnenkloster aus dem 13. Jahrhundert. Das Herzstück der Sammlung ist der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald, entstanden zwischen 1512 und 1516. Ein monumentales Werk, das man wirklich vor sich stehen haben muss um zu verstehen warum es so berühmt ist. Fotos geben das nicht wieder.
Das Museum zeigt außerdem Werke von Martin Schongauer und Lucas Cranach dem Älteren, dazu Exponate aus dem Neolithikum und dem Mittelalter. Wer Kunst mag und nur eine Stunde Zeit hat, sollte trotzdem hingehen.
Maison des Têtes, Dominikanerkirche und Markthalle
Das Maison des Têtes, das Haus der Köpfe, wurde 1609 im Renaissancestil erbaut. Die Fassade ist mit über hundert steinernen Köpfen und Masken verziert. Heute beherbergt es ein Restaurant. Auch wenn man nicht essen geht, lohnt ein Blick auf die Fassade.
Die gotische Dominikanerkirche aus dem 13. Jahrhundert beherbergt das Gemälde Madonna im Rosenhag von Martin Schongauer aus dem Jahr 1473. Das Bild hängt noch im Originalzustand im Chor der Kirche. Eintritt kostet wenige Euro.
Die Markthalle, gebaut 1865, öffnet täglich außer montags. Elsässischer Käse, frische Weine, Flammkuchen, Brezel, Honigkuchen. Wer früh kommt, wenn die Stände noch frisch bestückt sind, findet hier alles für ein Picknick in der Altstadt.
Elsässische Küche: Was ihr in Colmar essen solltet
Colmar ist kein Ort für schnelles Essen zwischen zwei Sehenswürdigkeiten. Die elsässische Küche hat ihre eigene Logik, und die lernt man am besten in einer der traditionellen Winstubs, den Weinwirtschaften der Region.
Flammkuchen ist das bekannteste Gericht. Hauchdünner Teig, Schmand, Zwiebeln, Speck. Der Klassiker. Daneben gibt es Baeckeoffe, ein Schmorragout aus Schwein, Rind und Lamm mit Kartoffeln, das traditionell am Wäschetag Montag gekocht wurde. Sauerkraut mit Speck und Kartoffeln, Gänseleber mit Brioche, Munster-Käse aus den Vogesen.
Zu trinken: Riesling, Gewürztraminer, Pinot Gris. Weißweine aus dem Elsass haben wenig gemein mit deutschen Rieslingen. Trockener, mineralischer, mit mehr Tiefe. Am besten direkt beim Winzer probieren oder in einer Vinothek in der Altstadt.
Der Weihnachtsmarkt in Colmar
Colmar hat nicht einen Weihnachtsmarkt. Es hat fünf, verteilt über das historische Zentrum. Jeder Markt hat seinen eigenen Charakter. Zusammen machen sie Colmar in der Adventszeit zu einem der bekanntesten Weihnachtsmarktziele in Frankreich.
- Place des Dominicains: Kunsthandwerk und handgefertigter Weihnachtsschmuck.
- Place de l’Ancienne Douane: Elsässische Spezialitäten direkt am Wasser.
- Place Jeanne d’Arc: Traditionelles elsässisches Weihnachtsdorf mit regionalen Produkten.
- Place de la Cathédrale: Geschenkideen und weihnachtliche Dekorationen.
- Koifhus: Kleinerer Markt mit Kunsthandwerkern im alten Zollhaus.
Das Riesenrad am Place Rapp bietet von oben den besten Überblick über das beleuchtete Colmar. Klein Venedig wird mit einem Märchenwald und beleuchteten Hütten besonders hergerichtet. Eislaufbahn, Nostalgiekarussell, Glühwein, elsässische Bredele-Kekse.
Wann nach Colmar: Sommer oder Winter?
Colmar lohnt sich zu jeder Jahreszeit, aber der Charakter des Besuchs ist sehr unterschiedlich je nachdem wann man kommt.
Frühling und Herbst sind die entspanntesten Reisezeiten. Weniger Besucher, milderes Wetter, die Weinberge rund um die Stadt entweder in Blüte oder in Herbstfarben.
Was ihr noch kombinieren könnt
Wer von Baden-Baden über die Schwarzwaldhochstraße fährt und dann südlich nach Colmar reist, macht aus dem Ausflug eine echte Rundtour. Hornisgrinde, Ruhestein, Mummelsee auf dem Weg, dann über den Rhein nach Colmar, zurück über Freiburg.
Die Weinstraße zwischen Colmar und Straßburg führt durch Orte wie Eguisheim, Riquewihr, Kaysersberg und Ribeauvillé. Alle gut erreichbar, alle sehenswert, keiner übermäßig touristisch unter der Woche.
Häufig gestellte Fragen zu Colmar
Was ist so besonders an Colmar?
Colmar ist eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Altstädte Frankreichs. Farbige Fachwerkhäuser, Kanäle, das Viertel Klein Venedig und der weltberühmte Isenheimer Altar im Musée Unterlinden machen die Stadt einzigartig. Hinzu kommt die elsässische Küche mit Flammkuchen und regionalen Weinen.
Ist Colmar deutschsprachig?
Die offizielle Amtssprache ist Französisch. In der Altstadt und in touristischen Bereichen wird oft auch Deutsch verstanden, besonders bei älteren Einheimischen. Englisch funktioniert in Restaurants und Sehenswürdigkeiten ebenfalls gut.
Wie lange braucht man, um Colmar zu besichtigen?
Für einen ersten Besuch mit Altstadt, Klein Venedig und einem Museumsbesuch sollte man mindestens vier Stunden einplanen. Wer in Ruhe essen, durch die Gassen schlendern und einen Ausflug in die umliegenden Weindörfer machen möchte, plant besser einen ganzen Tag.
Was ist typisch für Colmar?
Die farbigen Fachwerkhäuser, die Kanäle des Viertels Klein Venedig, der Isenheimer Altar und der Weihnachtsmarkt im Advent. Kulinarisch stehen Flammkuchen, Baeckeoffe, Munster-Käse und elsässische Weißweine für die Region.
Wie weit ist Colmar vom Schwarzwald?
Von Freiburg im Breisgau sind es rund 40 Kilometer und etwa eine Stunde Fahrtzeit. Von Baden-Baden sind es rund 80 Kilometer und etwa eine Stunde mit dem Auto über die A5 und A35. Mit dem Zug von Freiburg dauert es etwa eine Stunde.
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