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Die Zweribach Wasserfälle liegen 20 Kilometer östlich von Freiburg und sind genau das was man sich wünscht wenn man Wasserfälle ohne Touristenrummel sucht. Drei Stufen, 8, 3 und 15 Meter, Granitfels, Bannwald, ein stiller Vesperplatz mit Vertrauenskasse und eine Schlucht in der man das Wasser lange hört bevor man es sieht. Der Weg ist anspruchsvoll, die Belohnung entsprechend.
Was viele nicht wissen: Im Sommer führen die Fälle weniger Wasser als erwartet. Ein Wasserkraftwerk oberhalb leitet einen Teil des Zweribach über eine Rohrleitung ab. Das fällt besonders in Trockenperioden auf. Wer die Fälle in voller Kraft sehen will, kommt im Frühjahr nach der Schneeschmelze oder nach starken Regenfällen. Dann ist das Getöse in der Schlucht bereits auf halber Strecke zu hören.
Wusstest du schon:
Kurz vor den Wasserfällen gibt es einen Vesperplatz wo ein kleiner Schrank mit Getränken steht. Das Geld legt man in eine Vertrauenskasse. Keine Kasse, kein Wirt, nur Vertrauen. Das ist Schwarzwald wie er sein sollte.
Herzensmensch
Der Bannwald Zweribach wurde 1970 ausgewiesen und ist eines der ältesten Naturwaldreservate in Deutschland. Auf 75 Hektar hat kein Förster seit über 50 Jahren einen Baum gefällt. Was umfällt, bleibt liegen. Was wächst, darf wachsen.
Zahlenmensch
Inhalt
Anfahrt zu den Zweribach Wasserfällen und Parken
Die Zweribach Wasserfälle liegen bei Simonswald im Simonswälder Tal, rund 20 Kilometer östlich von Freiburg. Mit dem Auto von Freiburg über die B294 Richtung Waldkirch, dann ins Simonswälder Tal abbiegen und dem Tal bis nach Wildgutach folgen. Von dort zweigt der Zweribachweg ab, eine enge, steile und einspurige Straße die es in sich hat.
Es gibt zwei Parkplätze, und die Wahl macht einen Unterschied.
Der Wanderparkplatz Haltenschwarzhof liegt auf rund 600 Metern Höhe direkt am Waldrand. Die Zufahrt über den Zweribachweg ist eng, kurvig und steil. Gegenverkehr bedeutet hier Zurücksetzen ohne Seitenstreifen. Wer nervenstark ist und ein kleines Auto hat, kommt durch. Wer das nicht will, nimmt den zweiten Parkplatz. Vom Haltenschwarzhof geht es direkt in den steilen Aufstieg, rund 200 Höhenmeter ohne Aufwärmphase.
Der Parkplatz Potsdamer Platz liegt auf 991 Metern auf dem Hochplateau und ist von zwei Seiten über asphaltierte Straßen erreichbar, deutlich entspannter. Von hier startet man auf der Hochebene und steigt erst später in die Schlucht ab. Für die Rundwanderung ist dieser Einstieg oft angenehmer.
Der Weg durch den Bannwald zu den Zweribach Wasserfällen
Vom Haltenschwarzhof startet der Weg sofort mit Steigung. Kein Aufwärmen, direkt hinein in den Wald. Der Pfad ist schmal, die Steine groß und uneben, viele Baumwurzeln queren den Weg. Nach Regen ist alles feucht und rutschig. Wanderschuhe mit Profil sind keine Empfehlung sondern Pflicht. Turnschuhe oder Sandalen sind hier falsch.
Nach rund 20 Minuten Aufstieg öffnet sich der Wald kurz zu einer Wiese. Hier stehen Mauerreste des ehemaligen Brunnenhofs, einer alten Hofstelle die abgebrannt ist. Rechts zweigt ein Weg zu den Hirschbachfällen ab, rund 600 Meter entfernt. Geradeaus führt der Felssteig weiter, gesichert und mit Stufen durch den dichtesten Teil des Bannwalds. Kurz vor den Wasserfällen überquert eine Stahlbrücke den Bach, von hier hat man den besten Blick auf die untere und mittlere Stufe gleichzeitig.
Wer die volle Rundwanderung macht, folgt dem Weg nach den Wasserfällen in Serpentinen bergauf zur Hochebene, weiter über die Kapfenkapelle zum Plattenhof und zurück über die Rankmühle ins Tal. Rund 16 bis 17 Kilometer, vier Stunden, gut 400 Höhenmeter gesamt.
Die Zweribach Wasserfälle: drei Kaskaden über Granitfels
Der Zweribach stürzt in drei Stufen über eine steile Karwand aus Granit ins Simonswälder Tal. Die obere Stufe fällt 8 Meter, die mittlere knapp 3 Meter, die untere 15 Meter. Zusammen sind es rund 40 Meter Fallhöhe. Die Kaskaden liegen nicht weit auseinander, man sieht von der Stahlbrücke aus mindestens zwei gleichzeitig.
Das Wasser kommt aus einem Hochtälern oberhalb der Karwand, gespeist von Schmelzwasser und Niederschlag. Wegen des Wasserkraftwerks Zweribachwerk, das 1924 gebaut wurde und seinen Stausee auf der Hochfläche hat, fließt im Sommer nur ein Teil der natürlichen Wassermenge über die Fälle. Das Kraftwerk leitet Wasser über eine Rohrleitung ab. Das ist der Grund warum die Fälle im Hochsommer manchmal enttäuschen. Wer sie in voller Kraft sehen will, kommt im März, April oder Mai, oder nach einem längeren Regenfall.
Die Felsen rund um die Fälle sind dauerhaft nass und mit Algen bedeckt. Klettern auf den Steinen ist verlockend aber gefährlich. Wer nah heran will bleibt auf dem gesicherten Felssteig und nutzt die Stahlbrücke als Aussichtspunkt.
Vesperplatz, Kapelle und Vertrauenskasse: der stille Halt vor den Fällen
Kurz bevor der Weg zu den Wasserfällen führt liegt eine offene Wiese mit den Mauerresten des abgebrannten Brunnenhofs. Hier hat jemand einen kleinen Schrank aufgestellt mit Getränken zum Kauf auf Vertrauensbasis. Das Geld legt man in eine Kasse, niemand schaut zu, niemand kassiert. Eine überdachte Sitzgelegenheit mit Tisch steht daneben, eine Feuerstelle, eine Quelle mit frischem Wasser und eine Bank mit Aussicht ins Tal.
Neben den Mauerresten steht eine kleine Kapelle. Kein Hinweisschild, keine Öffnungszeiten, einfach da. Der Platz hat eine eigene Stille die man erst versteht wenn man eine Weile sitzt. Wer hier rastet bevor er zu den Wasserfällen weitergeht, macht es richtig.
Bannwald Zweribach: Urwald von morgen
Der Bannwald Zweribach wurde 1970 als Naturwaldreservat ausgewiesen und ist damit eines der ältesten in ganz Deutschland. Auf rund 75 Hektar hat das Forstamt seit den frühen 1950er Jahren auf jede Bewirtschaftung verzichtet. Was wächst wächst, was umfällt bleibt liegen. Bäume die über hundert Jahre alt sind stehen neben toten Stämmen die langsam verrotten und neuen Lebensraum für Käfer, Pilze und Vögel schaffen.
Das Ergebnis ist ein Wald der sich fundamental von einem bewirtschafteten Schwarzwaldforst unterscheidet. Der Boden ist uneben und voller umgestürzter Baumstämme. Das Licht fällt anders, die Stille ist dichter, die Luft riecht nach feuchtem Moos und Erde. Das Geographische Institut der Universität Freiburg forscht hier seit Jahren zu Waldökosystemen im Schwarzwald und in den Vogesen.
Das Naturschutzgebiet Zweribach umfasst den gesamten abgelegenen Talkessel mit seinen steilen Karwänden. Es ist kein Schutzgebiet das man von außen bewundert, man wandert mittendurch. Der schmale Felssteig durch den Bannwald ist der einzige Zugang zu den Wasserfällen von dieser Seite.
Was ihr noch kombinieren könnt: Hirschbachfälle und Dreitälerblick
Vom Abzweig an den Mauerresten des Brunnenhofs sind die Hirschbachfälle nur rund 600 Meter entfernt. Der Weg dorthin ist anspruchsvoller als der Zugang zu den Zweribachfällen, felsig und bergauf wie bergab über Stock und Stein. Die Hirschbachfälle liegen nachmittags oft im Schatten und sind weniger spektakulär als die Zweribachfälle. Wer Zeit und Kondition hat nimmt sie mit, wer nicht, lässt es ohne schlechtes Gewissen.
Wer auf dem Rückweg vom Parkplatz Haltenschwarzhof noch kurz abbiegt, erreicht den Parkplatz Dreitälerblick auf der L173. Von hier oben hat man eine der besten Aussichten im Simonswälder Tal: Blick auf Wildgutach, Zweribach und Obersimonswald gleichzeitig. Was kaum jemand weiß: An dieser Stelle fiel am 14. August 1984 die erste Klappe zur Fernsehserie Die Schwarzwaldklinik. Der Drehort ist heute unmarkiert, die Aussicht aber dieselbe.
Praktische Infos, 3D-Ansicht und Wegpunkt
Die Zweribach Wasserfälle sind kostenlos zugänglich und haben keine offiziellen Öffnungszeiten. Das Naturschutzgebiet ist ganzjährig betretbar. Toiletten gibt es weder am Parkplatz noch am Vesperplatz, die nächsten sind in Simonswald im Tal. Gastronomie gibt es nicht vor Ort, nur die Vertrauenskasse am Vesperplatz. Wer eine längere Wanderung plant, nimmt Proviant und ausreichend Wasser mit.
Hunde sind im Naturschutzgebiet erlaubt, eine Leine wird empfohlen. Für Rollstühle oder Kinderwagen ist der Weg nicht geeignet. Die nächste Gastronomie mit Einkehrmöglichkeit liegt in Simonswald oder Waldkirch im Tal.
Hier ein direkter Blick auf den Standort der Zweribach Wasserfälle:
Häufig gestellte Fragen zu den Zweribach Wasserfällen
Wo parkt man für die Zweribach Wasserfälle?
Es gibt zwei Parkplätze. Der Wanderparkplatz Haltenschwarzhof liegt auf rund 600 Metern Höhe und ist über eine sehr enge, steile Zufahrtsstraße erreichbar. Der alternative Parkplatz Potsdamer Platz liegt auf 991 Metern auf dem Hochplateau und ist über asphaltierte Zufahrtsstraßen von zwei Seiten erreichbar. Vom Haltenschwarzhof sind es rund 30 Minuten zu Fuß zu den Wasserfällen.
Wie schwer ist die Wanderung zu den Zweribach Wasserfällen?
Der Aufstieg vom Haltenschwarzhof zu den Zweribach Wasserfällen ist anspruchsvoll. Der Weg durch den Bannwald ist felsig, wurzlig und feucht, mit rund 200 bis 400 Höhenmetern Aufstieg je nach Route. Festes Wanderschuhwerk ist Pflicht. Der Weg ist nicht kinderwagentauglich und nichts für normale Turnschuhe. Wer die volle Rundwanderung macht, plant rund vier Stunden ein.
Wann sind die Zweribach Wasserfälle am schönsten?
Die Zweribach Wasserfälle sind im Frühjahr nach der Schneeschmelze und nach starken Regenfällen am wasserreichsten. Im Sommer führen die Fälle wegen eines Wasserkraftwerks oberhalb weniger Wasser, da ein Teil des Bachs über eine Rohrleitung abgeleitet wird. Im Winter bilden sich bei Frost beeindruckende Eisformationen, der Weg ist dann aber vereist und gefährlich.
Sind die Zweribach Wasserfälle für Kinder geeignet?
Die Zweribach Wasserfälle sind nur bedingt für Kinder geeignet. Der Weg durch den Bannwald ist steil, felsig und feucht. Ältere Kinder ab etwa zehn Jahren mit Wandererfahrung können den Aufstieg bewältigen. Für kleinere Kinder oder Kinderwagen ist der Weg nicht geeignet.
Was ist der Bannwald Zweribach?
Der Bannwald Zweribach wurde 1970 als Naturwaldreservat ausgewiesen und ist eines der ältesten in Deutschland. In einem Bannwald ist jede forstliche Nutzung untersagt, der Wald entwickelt sich ausschließlich nach natürlichen Gesetzen. Im Bannwald Zweribach liegen auf rund 75 Hektar umgestürzte Bäume, moosbedeckte Felsen und alte Baumriesen die nie gefällt werden.
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