Warum heißt der Schwarzwald Schwarzwald? Panoramablick auf dunkle Fichten Kulando 2026

Warum heißt der Schwarzwald Schwarzwald?

Sandra und Alex lokale Guides aus Baden-Baden Kulando Schwarzwald
Von Sandra & Alex • Insider-Update 2026
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Wir wohnen seit über 20 Jahren hier und haben diese Frage schon hundertmal gehört: Warum heißt der Schwarzwald eigentlich Schwarzwald? Schwarz ist er nämlich nicht. Die Antwort führt uns 2.000 Jahre zurück zu den Römern, über eine keltische Göttin, einen Schreibfehler im Mittelalter und einen Urwald, der selbst mutige Legionäre das Fürchten lehrte.

Kurze Antwort: Der Name geht auf die Römer zurück, die den dichten Urwald silva nigra nannten, lateinisch für schwarzer Wald. Erstmals schriftlich belegt ist der deutsche Name Swarzwald in einer Urkunde aus dem Jahr 868 n. Chr. Der Wald wirkte aus der Ferne und in der Dämmerung so dunkel und undurchdringlich, dass der Name nahelag.

Infografik Namenserklärung.

Silva nigra: Der schwarze Wald der Römer

Als die Legionen vor etwa 2.000 Jahren von Italien nach Norden zogen, um ihr Reich zu vergrößern, trafen sie auf ein Mittelgebirge, das sie zutiefst beunruhigte. Keine sanften Hügel, keine überschaubaren Wälder. Nur ein endloser, dichter, dunkler Urwald, der sich in die Höhe türmte und in dem man die Orientierung verlieren konnte.

Die Legionäre nannten ihn silva nigra, lateinisch für schwarzer Wald. Und sie mieden ihn konsequent, zogen lieber an seinen Rändern entlang. Im Westen am Rhein, im Osten zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb. Wo sie rasteten, hinterließen sie Spuren: In Baden-Baden legten sie ihre berühmten Thermalbäder an, in Badenweiler ebenfalls. Reste davon sind noch heute zu besichtigen. Nur wenige Kilometer von den römischen Thermen entfernt liegen die Geroldsauer Wasserfälle, der schönste Naturpunkt direkt am Stadtrand.

💡 Interessant: Die einzige Straße die die Römer tatsächlich in den Schwarzwald bauten, war die Kinzigtalstraße. Sie nutzten das Tal als Durchgangsroute, nicht um den Wald zu erschließen.

Aber silva nigra war nicht der einzige Name. Weitaus älter und faszinierender ist ein anderer: Mons Abnobae, das Gebirge der Abnoba.

Mons Abnobae: Die keltische Göttin des Waldes

Bevor die Römer kamen, lebten die Kelten im und um den Schwarzwald. Sie verehrten eine Muttergöttin namens Abnoba, Schutzherrin des Waldes und der dort lebenden Tiere. Das gesamte Gebirge trug ihren Namen: mons Abnobae, das Gebirge der Abnoba.

Als die Römer das Gebiet übernahmen, taten sie, was sie immer taten: Sie übernahmen die lokalen Götter und setzten sie mit ihren eigenen gleich. Abnoba wurde mit Diana, der römischen Göttin der Jagd, gleichgesetzt. Der Name mons Abnobae blieb damit noch Jahrhunderte in Gebrauch.

Erstmals schriftlich erwähnt wurde das Abnoba-Gebirge im Jahr 77 n. Chr. bei Plinius dem Älteren. Auch der Historiker Tacitus und der griechische Mathematiker Claudius Ptolemäus kannten das Gebirge unter diesem Namen.

🤔 Fast wäre es anders gekommen: Hätte sich der keltische Name durchgesetzt, würden wir heute vom Abnoba-Gebirge sprechen. Der Schwarzwald wäre dann wohl bekannt für seinen Abnoba-Schinken und den Abnoba-Kuchen.

Neben mons Abnobae nutzten die Römer auch den Begriff marciana silva, der Marczynische Wald. Dieser Name bezog sich vermutlich auf die Markomannen, einen germanischen Stamm, dessen Gebiet der Schwarzwald begrenzte.

Swarzwald 868: Der Name wird deutsch

Der entscheidende Moment in der Namensgeschichte des Schwarzwalds datiert auf das Jahr 868 n. Chr.. In einer Urkunde des Klosters St. Gallen taucht zum ersten Mal der deutsche Name auf: Besitzungen werden dort in saltu svarzwald lokalisiert, im Wald des Schwarzwaldes.

Aus silva nigra war Swarzwald geworden. Die lateinische Bezeichnung blieb zwar noch lange in kirchlichen Urkunden des Mittelalters erhalten, aber im Volksmund hatte sich die deutsche Form längst durchgesetzt.

🔭 Eine originelle Theorie: Im 19. Jahrhundert tauchte eine andere Erklärung auf. Der Fluss Neckar hieß im Lateinischen ursprünglich Nicer. Der silva nicra war demnach der am Nicer gelegene Wald. Durch einen einzigen Buchstabentausch (nicra → nigra) in einer unsauberen Textübertragung wäre daraus der schwarze Wald geworden. Ob das stimmt, ist bis heute nicht geklärt.

Warum sich ausgerechnet der Begriff schwarz durchsetzte, ist nicht abschließend erklärt. Möglicherweise spielte eine Rolle, dass große Teile des Gebirges noch Jahrhunderte lang unbesiedelt blieben und der Wald dadurch etwas Geheimnisvolles, fast Magisches hatte. Wer nicht in ihn hineinging, konnte nur von außen schauen. Und von außen wirkte er dunkel.

Die Fichten: Warum der Schwarzwald heute so aussieht

Heute denken viele, der Name komme von den dichten Fichtenwäldern die kaum Licht durchlassen. Das stimmt teilweise, aber nicht ganz. Denn die Fichten sind kein Urphänomen des Schwarzwalds, sondern das Ergebnis menschlicher Eingriffe.

Im 18. und 19. Jahrhundert war der Schwarzwald stellenweise fast vollständig abgeholzt. Holz war der wichtigste Rohstoff der Zeit. Die Menschen brauchten es zum Heizen, zum Bauen, für die Glasherstellung und für den Schiffsbau. Ganze Täler wurden von Menschen gerodet, die Siedlungen und Felder anlegen wollten. Die mächtigsten Tannen, die sogenannten Holländer, wurden zu Mastbäumen auf den Schiffen der holländischen Handelsflotte. Man sagt sogar, Amsterdam sei auf Schwarzwälder Tannen gebaut.

Den Transport erledigten die Flößer: Die gefällten Stämme wurden zu Flößen zusammengebunden und über die kleinen Schwarzwaldflüsse bis zum Rhein und von dort nach Holland transportiert.

Die kahlgeschlagenen Berge waren anschließend wind- und erosionsgefährdet. Also wurde wieder aufgeforstet, vor allem mit Fichten und anderen Nadelbäumen, weil sie schnell wachsen. Das ist der Grund, warum der Schwarzwald heute so fichtenreich ist. Wer die typische Fichtenlandschaft erleben möchte, fährt am besten auf der Schwarzwaldhochstraße von Baden-Baden bis Freudenstadt. Nicht Natur, sondern Forstwirtschaft. Heute werden viele Fichten wieder durch Laubbäume ersetzt, der Schwarzwald bekommt langsam sein ursprünglicheres, bunteres Gesicht zurück.

☀️ Heute Der Schwarzwald besteht zu rund 80% aus Wald, davon etwa die Hälfte Nadelbäume. Buchen, Tannen und zunehmend auch Laubbäume prägen das Bild.
🌲 Früher Der ursprüngliche Schwarzwald war ein Mischwald aus Tannen, Buchen und Eichen. Die Fichtenmonokultur entstand erst durch die Aufforstungen des 19. Jahrhunderts.

Warum heißt der Schwarzwald Schwarzwald: Die Zusammenfassung

🏛️ 77 n. Chr.: Plinius nennt das Gebirge erstmals mons Abnobae
⚔️ Römerzeit: silva nigra, schwarzer Wald, wird zur lateinischen Bezeichnung
📜 868 n. Chr.: Erstmals taucht Swarzwald in einer Urkunde auf
Mittelalter: Klöster erschließen das Mittelgebirge, Kultur und Siedlungen entstehen
🪓 18./19. Jh.: Abholzung, danach Wiederaufforstung mit Fichten
🌲 Heute: 6.009 km² Wald, Naturpark, Nationalpark, Weltruf

Der Name Schwarzwald ist also eine Mischung aus echter Beschreibung, römischer Angst und mittelalterlicher Überlieferung. Die Geschichte des Namens spiegelt die Geschichte des Waldes selbst: Angst, Erschließung, Abholzung, Wiedergeburt. Schwarz war er für die Römer, weil er aus der Ferne dunkel wirkte und niemand wirklich wusste, was darin lauerte. Für uns ist er heute das Gegenteil von bedrohlich: grün, bunt, einladend. Aber der Name ist geblieben. Und wir finden: Er klingt besser als Abnoba-Gebirge.

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Häufig gestellte Fragen zur Herkunft des Namens

Warum heißt der Schwarzwald Schwarzwald?

Der Name geht auf die Römer zurück, die den dichten, dunklen Urwald silva nigra nannten, lateinisch für schwarzer Wald. Aus der Ferne und in der Dämmerung wirkte das dichte Gebirge fast schwarz. Erstmals schriftlich belegt ist der deutsche Name Swarzwald in einer Urkunde des Klosters St. Gallen aus dem Jahr 868 n. Chr.

Was bedeutet silva nigra?

Silva nigra ist Latein und bedeutet wörtlich schwarzer Wald. Die Römer nutzten diesen Begriff für das dichte, dunkle Waldgebirge im heutigen Baden-Württemberg. Der Begriff findet sich in mittelalterlichen Urkunden noch lange neben dem deutschen Namen Schwarzwald.

Wie hieß der Schwarzwald bei den Römern?

Die Römer kannten zwei Namen: silva nigra (schwarzer Wald) und mons Abnobae (Gebirge der Göttin Abnoba). Erstmals erwähnt wurde das Gebirge 77 n. Chr. bei Plinius dem Älteren. Die keltische Göttin Abnoba war die Schutzherrin des Waldes, die Römer setzten sie mit ihrer Göttin Diana gleich.

Ist der Schwarzwald wirklich schwarz?

Nein. Der Name kommt von der dunklen Wirkung des dichten Nadelwaldes aus der Ferne und bei Dämmerung. Fichten und Tannen lassen kaum Licht durch, was dem Wald ein dunkles Erscheinungsbild gibt. Heute ist der Schwarzwald ein bunter Mischwald, der im Herbst sogar leuchtend bunte Farben zeigt.

Wann wurde der Name Schwarzwald erstmals verwendet?

Der deutsche Name Swarzwald taucht erstmals 868 n. Chr. in einer Urkunde des Klosters St. Gallen auf. Dort werden Besitzungen in saltu svarzwald erwähnt. Der lateinische Name silva nigra war in kirchlichen Urkunden noch lange parallel in Gebrauch.

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